EqualityView Machbarkeitsstudie zur Umsetzung eines barrierefreien Dashboards

Hintergrund

Die Machbarkeitsstudie zur Entwicklung und technischen Umsetzung des Datendashboards EqualityView wurde von der a11y design GmbH im Zeitraum von Dezember 2024 bis Juni 2025 durchgeführt. Das Projekt wurde im Rahmen der Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit (Externer Link) des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung gefördert und von der KCS verantwortet.

Die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie sowie das Datenkonzept und die Entwicklung eines Gendermonitoringkonzepts für sächsische Hochschulen bilden die Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Datendashboards „EqualityView. Ein Datendashboard für Chancengleichheit“. Durch die Bereitstellung eines barrierefreien und leicht zugänglichen Dashboards können Hochschulen ihre Gleichstellungsstrategien auf einer fundierten Datenbasis weiterentwickeln, die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen kontinuierlich überprüfen und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft fördern. EqualityView leistet somit einen nachhaltigen Beitrag zur Steigerung von Transparenz und Sichtbarkeit im Bereich der Chancengleichheit in Sachsen.

Technische Anforderungen

Ein barrierefreies Dashboard wie das geplante EqualityView muss Informationen in Form von interaktiven Visualisierungen so aufbereiten, dass eine gleichwertige Nutzung unabhängig von den verwendeten Ein- und Ausgabegeräten oder assistiven Technologien möglich ist. Dies erfordert die Anwendung internationaler Standards wie der Web Content Accessibility Guidelines 2.1/2.2 sowie nationaler gesetzlicher Vorgaben wie der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV).

Prinzipien und Kriterien der WCAG

Die Web Content Accessibility Guidelines (Externer Link) (WCAG) sind eine mehrstufige Anleitung zur barrierefreien Gestaltung von Webinhalten. Sie basieren auf vier Prinzipien, die sicherstellen sollen, dass digitale Inhalte für alle Menschen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sind. Zusätzlich gibt es drei WCAG-Konformitätsstufen (A, AA und AAA), die angeben, inwieweit die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt sind. Stufe A stellt das Mindestmaß an Barrierefreiheit dar und beinhaltet grundlegende Anforderungen. Stufe AA gilt als Standardstufe und behebt viele der häufigsten Barrieren. Die Stufe AAA ist die höchste Stufe und soll die bestmögliche Zugänglichkeit für Webanwendungen ermöglichen.

Für die Gestaltung interaktiver Elemente sowie von Diagrammen und Grafiken eines Datendashboards sind bestimmte Kriterien der WCAG besonders relevant.

Für das Prinzip Wahrnehmung ist Folgendes zu beachten: Kriterium 1.1.1 (Nicht-Text-Inhalt, Stufe A) verlangt, dass aussagekräftige, textbasierte Alternativbeschreibungen für Grafiken und Diagramme bereitgestellt werden. Bei komplexen Darstellungen schreibt Kriterium 1.3.1 (Informationen und Beziehungen, Stufe A) vor, dass die enthaltenen Daten zusätzlich in Form von Tabellen oder Fließtext angeboten werden sollten, um den Zugang zu erleichtern.

Kriterium 1.4.1 (Verwendung von Farbe, Stufe A) stellt sicher, dass Informationen nicht ausschließlich über Farben vermittelt werden. Stattdessen sollten ergänzende Mittel wie Muster, Symbole oder Beschriftungen eingesetzt werden. Die Kriterien 1.4.3 (Kontrast, Stufe A) und 1.4.11 (Nicht-Text-Kontrast, Stufe AA) definieren Mindestkontraste: Für Text in Grafiken ist ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 erforderlich, für nicht-textuelle Bedienelemente mindestens 3:1.

Die Kriterien 1.4.4 und 1.4.10 (beide Stufe AA) fordern, dass Inhalte ohne Qualitätsverlust vergrößerbar sein müssen – möglichst ohne horizontales Scrollen. Dies lässt sich durch den Einsatz von Vektorgrafiken oder skalierbaren Layouts erreichen.

Laut den Punkten 2.1.1 und 2.1.2 (Stufe A) müssen Diagramme für das Prinzip Bedienbarkeit vollständig mit der Tastatur bedienbar sein, ohne dass

Nutzer*innen in sogenannten Tastaturfallen stecken bleiben. Zeichenkurzbefehle müssen klar definiert sein und ohne unbeabsichtigte Auslöser nutzbar sein (Kriterium 2.1.4, Stufe A).

Die Fokusreihenfolge sollte gemäß Punkt 2.4.3 (Stufe A) logisch nachvollziehbar sein und gemäß Punkt 2.4.7 (Stufe AA) einen deutlich sichtbaren Fokus aufweisen, damit die Navigation klar erkennbar ist. Zudem fordern die

Kriterien 2.5.1 und 2.5.2 (beide Stufe A) barrierefreie Alternativen zu komplexen Zeigergesten wie Mehrfingereingaben sowie eine Bestätigung vor der Ausführung von Aktionen. Einfache Berührungen dürfen nicht unbeabsichtigt zu Interaktionen führen.

Auch Zeitbegrenzungen und Animationen spielen bei der Bedienbarkeit eine Rolle. Nutzer*innen dürfen nicht durch starre Zeitlimits in ihrer Interaktion eingeschränkt werden (Kriterium 2.2.1, Stufe A). Zudem muss vermieden werden, dass Inhalte durch blitzende oder flackernde Effekte gesundheitliche Risiken, wie epileptische Anfälle, auslösen (Kriterium 2.3.1, Stufe A). Animationen, die durch Interaktionen entstehen, sollten sich anpassen oder deaktivieren lassen, damit sie nicht zur Ablenkung oder Barriere werden (Kriterium 2.3.3, Stufe AAA).

Das Prinzip der Verständlichkeit fordert, dass bei Benutzeraktionen wie Eingaben oder dem Setzen des Fokus keine unerwarteten Kontextänderungen verursacht werden (3.2.1 Bei Fokus, Stufe A; 3.2.2 Bei Eingabe, Stufe A). Gefordert wird auch, dass bei ungültigen Eingaben eine verständliche Fehlermeldung erscheint (3.3.1 Fehlererkennung, Stufe A). Beschriftungen und Anweisungen für alle interaktiven Elemente helfen, Missverständnisse zu vermeiden (3.3.2, Stufe A), und durch gezielte Hinweise lassen sich Eingabefehler vorbeugen (3.3.3, Stufe AA).

Für eine robuste Zugänglichkeit interaktiver Inhalte ist es wichtig, dass Assistenztechnologien alle Elemente korrekt erkennen und interpretieren können. Laut Kriterium 4.1.2 (Stufe A) müssen Name, Rolle und Wert von Bedienelementen programmatisch verfügbar sein. Dies kann durch den gezielten Einsatz von ARIA-Attributen erreicht werden. Zudem schreibt Kriterium 4.1.3 (Stufe AA) vor, dass Statusmeldungen wie Ladehinweise oder Fehlermeldungen so ausgezeichnet sind, dass sie automatisch von Screenreadern erfasst und ausgegeben werden.

Layout- und Navigationsprinzipien

Neben diesen technischen Grundlagen spielt die Gestaltung von Layout und Navigation eine zentrale Rolle. Ein barrierefreies Dashboard zeichnet sich durch eine klare, konsistente Struktur aus. Überschriften, Unterüberschriften und gruppierte Inhalte ermöglichen darin eine logische Orientierung. Nutzer*innen müssen jederzeit nachvollziehen können, an welcher Stelle sie sich im Dashboard befinden und wie sie zwischen Modulen oder Visualisierungen wechseln können. Gleichzeitig sollten zu viele Elemente, Farben und Animationen vermieden werden, um die Nutzer*innen nicht zu überfordern.

Für eine gute Erkennbarkeit von Vorder- und Hintergrund müssen außerdem bestimmte Kontrastverhältnisse eingehalten werden (siehe WCAG-Kriterien 1.4.3 und 1.4.11).

Für die Darstellung der Inhalte empfiehlt es sich, einfache Diagrammtypen zu verwenden. Dazu zählen das Balkendiagramm, das Liniendiagramm und das Kreisdiagramm. Damit das Diagramm leichter verständlich ist, benötigt es einen beschreibenden und aussagekräftigen Titel sowie eine Beschriftung und eine Legende. Abkürzungen und Fachjargon sollten vermieden werden. Auch bei der Datenvisualisierung muss auf Kontraste geachtet werden. So sollte beispielsweise ein ausreichender Kontrast zwischen Diagramm und Hintergrund gewährleistet sein. Außerdem ist ein ausreichender Kontrast zwischen den einzelnen Graphen und Datenpunkten herzustellen. Gemäß dem WCAG-Kriterium 1.4.1 (Verwendung von Farbe) sollte das Diagramm Informationen nicht ausschließlich über Farbe vermitteln. Es sollte mindestens ein weiteres Symbol zur Informationsvermittlung benutzt werden. In einem Liniendiagramm könnten beispielsweise Kreise oder Vierecke genutzt werden, um die Datenpunkte auf den jeweiligen Graphen zu markieren. Wichtig ist, dass sich beide Merkmale in der Legende wiederfinden.

Auch Datenvisualisierungen sollten für blinde Menschen zugänglich sein. Für die Einbindung gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann die Datenvisualisierung als Bild, zum anderen als HTML oder SVG in die Website eingebunden werden. Bei der Einbindung als Bild sollte darauf geachtet werden, dass es einen aussagekräftigen Alternativtext und eine passende Bildunterschrift erhält. Beides muss vom Screenreader vorlesbar sein. Wenn die Datenvisualisierung als HTML oder SVG auf der Seite integriert wird, sollte es eine barrierefreie Datentabelle der zugrunde liegenden Daten mit der Option zum Filtern, Herunterladen und Sortieren geben. Alternativ kann jeder einzelne Datenpunkt der Visualisierung für den Screenreader zugänglich gemacht werden. Diese Option ist jedoch sehr aufwendig und nicht standardisiert.

Die Navigation innerhalb des Dashboards sollte einfach sein und sich ausschließlich mit der Tastatur bedienen lassen. Das bedeutet, dass alle Inhalte und Informationen des Dashboards per Tastatur erreichbar sein müssen und nicht hinter einer zusätzlichen Interaktion versteckt sein dürfen.

Anforderungen an Datenintegration und -pflege

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Datenintegration. Das Dashboard muss mit dem bestehenden Content-Management-System (im Fall der KCS TYPO3) kompatibel sein und sich nahtlos in die vorhandene Website-Struktur integrieren lassen. Gleichzeitig muss die Lösung die regelmäßige Aktualisierung und Pflege von Daten ermöglichen, ohne dass aufwendige manuelle Prozesse erforderlich sind. Die Integration einer Bibliothek in TYPO3 ist unkompliziert, da TYPO3 auf JavaScript, HTML und CSS basiert. Als Datenquelle können CSV-Dateien verwendet werden, die aus bereitgestellten Excel-Dateien erstellt werden.

Auch die Nutzung von Schnittstellen für automatisierte Datenimporte sollte in Betracht gezogen werden, sofern die Hochschulen künftig ein zentrales Datenmanagement bereitstellen. Das Dashboard sollte außerdem ohne großen technischen Aufwand um zusätzliche Visualisierungen erweitert werden können und lange Ladezeiten sind zu vermeiden.

Die detaillierte Anforderungsanalyse zeigt, dass ein barrierefreies Dashboard immer ein ganzheitliches Zusammenspiel aus Technik, Design und Prozessmanagement darstellt. Für EqualityView bedeutet dies konkret, dass technische Barrierefreiheit nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil der Architektur und des Nutzungskonzepts verstanden wird. So wird sichergestellt, dass das Dashboard sowohl den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht als auch langfristig einen praktischen Mehrwert für die Gleichstellungsarbeit an sächsischen Hochschulen liefert.

Toolanalyse und technische Machbarkeit

Vergleich der Visualisierungstools

Die Machbarkeitsstudie zur Entwicklung von EqualityView untersuchte, welche Tools sich für die Umsetzung eines barrierefreien, nutzer*innenfreundlichen Dashboards eignen. Das Dashboard soll eine gleichwertige Nutzung unabhängig von den verwendeten Ein- und Ausgabegeräten oder assistiven Technologien ermöglichen. Die Ansicht des Dashboards soll in eine öffentlich zugängliche Website eingebunden werden, die mit dem Content-Management-Systems TYPO3 erstellt wird. Dabei sollen verschiedene Datensätze in unterschiedlichen Darstellungsformen visualisiert werden, darunter Balken- und Liniendiagramme, Karten und Tabellen.

Diese Visualisierungen sollen interaktiv gestaltet sein und beim Hovern über die Datenpunkte mit der Maus Tooltips angezeigt werden. Es soll möglich sein, die dargestellten Daten nach bestimmten Kriterien zu filtern. Ein weiterer Aspekt ist die Erweiterbarkeit des Dashboards. Es sollte ohne großen technischen Aufwand um zusätzliche Visualisierungen ergänzt werden können. Ebenfalls gilt es, die Ladezeiten der Diagramme zu beachten. Dabei sind lange Ladezeiten zu vermeiden, um zu verhindern, dass die Nutzenden die Webseite neu laden oder verlassen.

Vier Lösungen standen im Fokus der Analyse: amCharts (Externer Link), Highcharts (Externer Link), Tableau (Externer Link) und Power BI (Externer Link). Ziel der Bewertung war es, die technische Machbarkeit unter Berücksichtigung der Kriterien Integrationsfähigkeit, Kosten, Barrierefreiheit und Entwicklungsaufwand zu beurteilen. Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Merkmale und Unterschiede der untersuchten Tools zusammen:

KriteriumTableauPower BIamChartsHighcharts
BetriebssystemWindows/ MacOS WindowsPlattformunabhängigPlattformunabhängig
DarstellungsformDiagramme, Karten, TabellenDiagramme, Karten, TabellenDiagramme, KartenDiagramme, Karten, Tabellen
Bedienbarkeit per TastaturTeilweise (Diagramme nicht vollständig erreichbar)Teilweise (Datenpunkte nicht erreichbar)Nachrüstbar per JavaScriptVollständig möglich (Standard + Accessibility- Modul)
Screenreader-UnterstützungEingeschränktSchwachNachrüstbar per ARIA, Fokus, StrukturIntegriert, inkl. Statusmeldung, Tooltips, ARIA
Barrierefreiheit anpassbar?Ja, über Embedding APINein (iFrame festeingebunden)Ja, durch JavaScript vollständig anpassbarJa, durch Konfiguration und Accessibility-Modul
Datenpflege, UpdatesAutomatisch möglich, bei gleichbleibender StrukturAutomatisch möglich, bei gleichbleibender StrukturManuell über CSV (bereinigt), mehr AufwandManuell über CSV (bereinigt), vergleichbarer Aufwand wie amCharts
Typo3-IntegrationÜber iFrame oder API (Embedding)Nur über iFrame (nicht anpassbar)Direkt via JavaScript/ HTML in TYPO3 integrierbarDirekt via JavaScript/ HTML in TYPO3 integrierbar
Programmierkenntnisse nötig?Nein (Drag & Drop)Nein (Drag & Drop)Ja (JavaScript, HTML, CSS)Ja (JavaScript, HTML, CSS)
VorteileEinfach bedienbar, Barrierefreiheit über JavaScript API anpassbarEinfach bedienbar, geringe Kosten, Office- IntegrationGeringe Kosten, Barrierefreiheit vollständig umsetzbarBarrierefreiheit vollständig umsetzbar, volle Kontrolle
NachteileTastaturerreichbarkeit einzelner Datenpunkte muss selbst programmiert werdenTastaturerreichbarkeit einzelner Datenpunkte nicht vorhanden, Barrierefreiheit nicht anpassbarQuellcode nötig, keine Tabellen, Excel-Dateien müssen bereinigt und in CSV-Datei umgewandelt werdenQuellcode nötig, hohe Kosten, Excel- Dateien müssen bereinigt und in CSV-Datei umgewandelt werden

Die beiden Softwarelösungen Tableau und Power BI bieten komfortable Möglichkeiten, um interaktive Dashboards ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu erstellen. Das ermöglicht es auch Nicht- Programmierer*innen, schnell Dashboards zu erstellen. Tableau zeichnet sich durch eine breite Palette an Visualisierungen und eine intuitive Bedienoberfläche aus, während Power BI mit seiner engen Anbindung an die Microsoft-Office- Umgebung und seinen vergleichsweise niedrigen Lizenzkosten punktet. Beide Tools stoßen jedoch in Bezug auf Barrierefreiheit an Grenzen. So ist die Tastaturnavigation nur eingeschränkt möglich, Screenreader erfassen die Inhalte nicht zuverlässig, und eine Anpassbarkeit an die WCAG-Standards ist nur begrenzt möglich. Für die Umsetzung eines hochgradig barrierefreien Dashboards sind sie deshalb nur bedingt geeignet. Außerdem sind beide Lösungen für die Integration in ein bestehendes CMS wie TYPO3 weniger gut geeignet, da sie meist eigene Hosting-Lösungen oder Embed-Optionen anbieten, was die Kontrolle über das Design und die Barrierefreiheit einschränkt.

Im Gegensatz dazu bieten die JavaScript-Bibliotheken Highcharts und amCharts eine deutlich höhere Flexibilität. Sie ermöglichen eine individuelle Anpassung der Darstellung sowie die vollständige Integration von Barrierefreiheitsfunktionen, etwa durch Tastatursteuerung, Screenreader-kompatible Strukturen und tabellarische Alternativen zu Diagrammen. Highcharts bietet hier die ausgereiftesten Funktionen und erwies sich in den Prototypen als das leistungsfähigste Tool, um alle Anforderungen der WCAG 2.1/2.2 und der BITV 2.0 umzusetzen. Für die Implementierung und Anpassung sind jedoch Programmierkenntnisse erforderlich. amCharts ist kostengünstiger, erfordert aber mehr manuellen Programmieraufwand. Außerdem verfügt es nicht über eingebaute Tabellenfunktionen, die für die barrierefreie Nutzung durch blinde Personen essenziell sind.

Als Datenquelle können für den Import CSV-Dateien benutzt werden, ohne dass eine zusätzliche JavaScript-Bibliothek verwendet werden muss. Diese können aus den bereitgestellten Excel-Dateien erstellt werden. Es ist darauf zu achten, die Excel-Tabellen vor Erstellung der CSV-Dateien zu „bereinigen“, das heißt, es dürfen keine Leerzeilen oder verbundene Zellen vorkommen. Die Spalten müssen eindeutig benannt sein, Nullwerte in den Daten sind mit „0“ einzutragen. Und wenn eine Karte als Visualisierungsform gewählt wird, ist eine neu angelegte Spalte für Bundesland, Stadt oder die Koordinaten nötig.

Die Integration von amCharts und Highcharts in TYPO3 ist unkompliziert, da es sich um reine JavaScript-Bibliothek handelt. Das bedeutet, dass die Diagramme direkt über HTML, CSS und JavaScript in TYPO3-Templates oder -Inhaltselemente eingebunden werden können. Hierfür können entweder benutzerdefinierte Erweiterungen entwickelt oder bestehende Text- und HTML-Inhaltselemente im TYPO3-Backend genutzt werden. Diese Variante bietet die volle Kontrolle über Layout, Barrierefreiheit und semantische Struktur zu behalten, erfordert aber ein gewisses Maß an technischem Know-how bei der Umsetzung.

Erkenntnisse zur Barrierefreiheit aus den Nutzendentests

Die Prototypen von Balken-, Linien- und Kartendiagrammen wurden in Usability-Tests von einer blinden und einer hochgradig sehbeeinträchtigten Person evaluiert. Die Tests fanden unter realen Nutzungsbedingungen statt, jeweils mit assistiven Technologien, die die Teilnehmenden auch im Alltag verwenden. Die Tests wurden durch eine Beobachterin sowie eine begleitende Leitung dokumentiert. Zur Anwendung kam die Methode des „lauten Denkens“. Ziel war es, grundlegende Aussagen zur Bedienbarkeit und Verständlichkeit der prototypischen Dashboards zu gewinnen. Es wurden keine zusätzlichen Barrierefreiheitsanpassungen vorgenommen – die Prototypen spiegeln den Standardzustand der jeweiligen Tools bzw. Framework-Beispiele wider.

Die Tests zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Tools:

  • Highcharts konnte nach einer gezielten Konfiguration erfolgreich per Screenreader bedient werden und lieferte nachvollziehbare Vorlesereihenfolgen für Datenpunkte. Nutzende äußerten, dass sie Daten selbstständig und ohne fremde Hilfe erfassen konnten.
  • amCharts erwies sich als bedingt nutzbar, da es teilweise zu Fokusverlusten und unklaren Navigationsabläufen kam. Sobald die Tastaturnavigation abbrach, war eine selbstständige Nutzung nicht mehr möglich.
  • Tableau stieß in den Tests auf deutliche Barrieren, unter anderem durch fehlende tabellarische Alternativen und eine unlogische Tastaturnavigation. Die fehlende semantische Struktur führte zu Verwirrung bei den Testpersonen

Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass tabellarische Datenalternativen unverzichtbar sind. Sie ermöglichen es Screenreader-Nutzenden, die zugrunde liegenden Daten vollständig zu erfassen, und bieten gleichzeitig eine barrierearme Möglichkeit für alle, die komplexe Visualisierungen nicht oder nur eingeschränkt interpretieren können. Die Implementierung dieser tabellarischen Alternativen sollte integraler Bestandteil der Entwicklung sein und nicht erst nachträglich ergänzt werden. Die Usability-Tests haben gezeigt, dass dies eine wichtige Anforderung ist, um Informationen vollständig zugänglich zu machen und die kognitive Belastung zu minimieren.

Zusammenfassung und Empfehlungen

Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass ein barrierefreies, nutzer*innenfreundliches Datendashboard für Gleichstellungsdaten an sächsischen Hochschulen technisch realisierbar ist. Der Schlüssel liegt in einem auf Barrierefreiheit ausgerichteten Design, das klare Strukturen, nachvollziehbare Bedienbarkeit und flexible Datenzugänge miteinander verbindet.

Designkonzept für EqualityView

Die konzeptionelle Grundlage für das Design bildet ein niedrigschwelliger Zugang zu komplexen Datensätzen. Durch die responsive Umsetzung nach dem „Mobile first“-Prinzip wird auf allen Endgeräten eine gleichwertige Nutzungserfahrung gewährleistet. Das Design folgt einem reduzierten, kontrastreichen Ansatz, der unnötige visuelle Komplexität vermeidet und die kognitive Belastung der Nutzenden minimiert. Dies manifestiert sich in klaren Strukturen, eindeutigen Beschriftungen und einer stabilen Navigation, die Orientierung und Verständnis erleichtern.

Die Einhaltung der WCAG-2.2-Richtlinien der Konformitätsstufen AA und AAA ist integraler Bestandteil des Designkonzepts. Die Tastaturbedienbarkeit wird durch eine logische Lesereihenfolge und eine sichtbare Fokusführung gewährleistet. Hohe Farbkontraste und umfassende Alternativtexte für Grafiken unterstützen eine barrierefreie visuelle Wahrnehmung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Vermeidung unerwarteter Änderungen bei Benutzereingaben, wodurch eine vorhersehbare und kontrollierbare Interaktion sichergestellt wird. Der direkte Zugriff auf zugrunde liegende Datentabellen ermöglicht es Assistenztechnologien, strukturierte Informationen vollständig zu erfassen und wiederzugeben.

Das Dashboard setzt zwei komplementäre Steuerungskonzepte um, die verschiedene Analyseanforderungen unterstützen. Das globale Filterkonzept erlaubt übergreifende Analysen mithilfe zentral platzierter Steuerungselemente, die auf einer einheitlichen Aggregationslogik basieren. Es eignet sich besonders für Vergleiche nach Hochschule, Zeitraum oder Region. Parallel dazu bietet das modulabhängige Filterkonzept differenzierte Steuerungsmöglichkeiten, die flexible Vergleiche zwischen verschiedenen Entitäten ermöglichen und die gezielte Exploration von Mustern und Unterschieden innerhalb spezifischer Teilmengen unterstützen.

Ein zentrales Element der Nutzerführung sind die interaktiven Insight Cards. Sie übersetzen komplexe Datenanalysen in direkt lesbare Kernaussagen. Diese automatisch generierten Textbausteine reduzieren die kognitive Last erheblich und erleichtern insbesondere Personen ohne vertiefte Statistikkenntnisse das Verständnis. Die semantische Differenzierung nach Trends wie Anstieg, Stagnation oder Rückgang wird perspektivisch durch dynamische Generierung aus der Datenbank ermöglicht. Dadurch wird eine kontinuierlich aktuelle und kontextuell relevante Informationsvermittlung gewährleistet.

Umsetzungsempfehlungen und Toolauswahl

Die Studie empfiehlt, die technische Umsetzung auf Basis von Highcharts vorzunehmen. Diese Lösung erwies sich als am besten geeignet, um die Anforderungen der WCAG 2.1/2.2 und der BITV 2.0 vollständig zu erfüllen. Highcharts ermöglicht es, komplexe Visualisierungen mit tabellarischen Alternativen zu kombinieren und bietet so sowohl interaktive Zugänge als auch eine barrierefreie Nutzung für Screenreader. Die direkte Integration in das bestehende TYPO3-System ist technisch unkompliziert und ermöglicht eine maximale Kontrolle über das Frontend- Design und die Barrierefreiheit. Die Entwicklung sollte einen klaren Fokus auf die vollständige Tastaturbedienbarkeit, sichtbares Fokus-Management und die Bereitstellung von barrierefreien Datentabellen liegen. Dazu sollte frühzeitig ein Konzept für die regelmäßige Bereitstellung tabellarischer Daten entwickelt werden, um die Nutzbarkeit für alle Zielgruppen sicherzustellen.

Für die erfolgreiche Implementierung des Dashboards ist ein iterativer Entwicklungs- und Testprozess von entscheidender Bedeutung. Barrierefreiheit darf dabei nicht erst am Ende geprüft werden, sondern muss von Beginn an integraler Bestandteil der Entwicklung sein. Dies bedeutet, dass Prototypen regelmäßig mit Nutzenden mit unterschiedlichen Behinderungen getestet

und auf Barrieren hin überprüft werden. So können frühzeitig Anpassungen vorgenommen und die technische Umsetzung auf reale Bedarfe abgestimmt werden. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Gleichstellungsakteur*innen ist dabei entscheidend, um sicherzustellen, dass das Dashboard den praktischen Anforderungen im Hochschulalltag gerecht wird.

Fazit: Mehrwert für die Gleichstellungsarbeit in Sachsen

Der Mehrwert für die Gleichstellungsarbeit in Sachsen liegt in der Verknüpfung von Datenqualität, Barrierefreiheit und Nutzungsfreundlichkeit. EqualityView stellt eine zentrale, niedrigschwellige und barrierefreie Informationsquelle für aktuelle Gleichstellungsdaten an sächsischen Hochschulen bereit. Dadurch können sich Akteur*innen, politische Entscheidungsträger*innen und die breite Öffentlichkeit schnell und umfassend über aktuelle Gleichstellungsdaten sächsischer Hochschulen informieren. Durch den konsequent barrierefreien Ansatz entsteht ein Werkzeug, das die Gleichstellungsarbeit stärkt und die Teilhabe aller Nutzenden ermöglicht. Die verbesserte Datenzugänglichkeit fördert die Transparenz und unterstützt die faktenbasierte Diskussion über Gender- und Diversity-Themen. Dadurch wird die Gleichstellungsarbeit in Sachsen nachhaltig gestärkt und ihre Wirkung erhöht.

Insgesamt liefert die Machbarkeitsstudie ein klares Bild: Mit Highcharts als technischer Basis, einem responsiven und kognitiv entlastenden Design sowie einem iterativen Test- und Entwicklungsprozess lässt sich ein Dashboard schaffen, das einen nachhaltigen Beitrag zur digitalen Gleichstellungsarbeit in Sachsen leisten kann.

Barrierefreier PDF-Download

Machbarkeitsstudie: Barrierefreie Umsetzung eines Gleichstellungsdatendashboards in Sachsen

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